26.4.2025
ecolea | Private Berufliche Schule Schwerin, Schwerin
Fabian Spamer hat sein Diplom verloren, bevor er es überhaupt bekam. Der 29-Jährige hat einen Kurs der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) absolviert, die auf Bussen und in Fernsehzeitschriften für ihr Fernstudium warb. An dieser Schule konnte man den Realschulabschluss machen, das Abitur und, so hatte es Spamer auf der Website gelesen, den "IT-Betriebswirt" mit "SGD-Diplom". Was er nicht wusste: Nur Hochschulen dürfen in Hessen Diplomabschlüsse verleihen, die Schule in Darmstadt ist aber gar keine. Erst nach der Einschreibung sei ihm von den Kursbetreuern mitgeteilt worden, dass er sich das Diplom, das er hier erlangen wollte, später gar nicht in den Lebenslauf schreiben darf. "Da hatte ich schon für einige Monate im Voraus die Studiengebühren bezahlt", sagt er. Er spricht von "Geschäften" und von "Irreführung".
Die Verantwortlichen bei der SGD weisen diese Vorwürfe von sich. Es habe nur "einzelne Fälle" von Leuten gegeben, die dachten, sie könnten einen akademischen Abschluss machen. "In der Beratung wurden diese Interessenten ausführlich zu den Abschlüssen und Abschlussbezeichnungen informiert", heißt es vonseiten der Schule.
Mag sein, dass Fabian Spamer unkritisch war, als er sich bei der SGD anmeldete und dachte, er bekäme dort ein echtes Diplom. Fest steht: Manche Bildungseinrichtungen machen es ihren Kunden leicht, ihre Angebote für akademische zu halten, obwohl es sich wohl eher um berufliche Fortbildungen handelt. "Diplom" ist längst nicht der einzige Begriff, mit dem diese Bildungseinrichtungen für sich werben, obwohl er stark nach Hochschule klingt. Die Dialog Akademie (DDA) bietet beispielsweise Fortbildungen in Marketing und Social Media an. Sie hat Filialen in mehreren Großstädten, die sie auf ihrer Website als "Studienorte" mit eigenem "Campus" bezeichnet. Zudem wirbt die DDA für "Unser Studienangebot: Berufsbegleitend zum Diplom" und schreibt von den "Diplomarbeiten" der Absolventen. Auch die Hamburger Technische Kunstschule (HTK) wirbt mit einem "Schnupperstudium". Bloß: Mit einem universitären Studium haben weder die Angebote der DDA noch jene der HTK etwas gemeinsam.
Private Bildungseinrichtungen kann jeder gründen, die Begriffe Studium, Semester, Akademie und Institut sind nicht geschützt. Niemand verbietet es, sich mit einem Campingtisch auf die Wiese zu setzen und dort eine Lufthol-Akademie zu gründen, an der man das Atmen studieren kann und semesterweise Seminare im Ballonaufpusten absolviert. Problematisch wird es aber dann, wenn man am Ende eine Urkunde vergibt, auf der "Diplom" steht. Die Hochschulgesetze der meisten Bundesländer verbieten die Vergabe von Titeln, die "akademischen Graden zum Verwechseln ähnlich sind". Ob ein Titel "zum Verwechseln ähnlich" ist oder nicht, muss im Einzelfall von Juristen im Bildungsministerium des jeweiligen Landes entschieden werden.
Die Schulen gehen mit den missverständlichen Titeln ein Risiko ein, noch mehr aber ihre Absolventen: Wer in seinem Lebenslauf ein "Diplom" angibt, damit aber bloß irgendeinen Abschluss irgendeiner Schule meint, macht sich unter Umständen strafbar. "Wenn ein Diplom im Zusammenhang mit dem Wort Studium auftaucht, ist das rechtlich heikel", sagt Christian Birnbaum, Rechtsanwalt und Experte für Hochschulrecht. "Der Titel sagt ja: Ich habe studiert." Ein irrtümlich angegebenes Diplom ist vielleicht nicht so dramatisch wie eine zusammenkopierte Doktorarbeit à la zu Guttenberg. Politiker sind aber auch schon wegen falscher Diplome zurückgetreten, es wurden Wahlen angefochten und Klagen bis hin zum Bundesgerichtshof geführt.
Auch aufgrund solcher Fälle haben einige Institutionen das unechte Diplom mittlerweile abgeschafft, darunter die Studiengemeinschaft Darmstadt. "Das SGD-Diplom wurde in 2006 letztmalig im Lehrgangsprogramm angeboten", heißt es dort auf Anfrage. Doch mehrere private Bildungseinrichtungen verdienen auch heute noch ihr Geld mit Abschlüssen, die etwa "Diplom-Kulturmanager (ebam)" heißen. Und das IST-Studieninstitut verspricht ein "Sportmanagement-Diplom".
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